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Schlesische Lieder/Andres

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Nur einmal Schlesische Lieder ~ Andres
written by Petr Bezruč, translated by Rudolf Fuchs
Der Schmetterling




Andres



Sterne schwanden und es graute,
in die Wolken griff die Lysa,
dort von Ratibor die Türme,
fern der Tatra Schattenwipfel,
in den Föhren sang die Amsel,
unterwegs nach Friedland war ich.

Da betrat mich groß ein Schatten.
Ich erkenne diese Augen,
die wie flüssiges Eisen strahlen;
und die Wirrheit dieser Haare,
struppiges Grün am Lärchenstamme;
diese rauhen, schweren Hände,
die sich auf die Keule stützen —
du von Lysa — Bruder Andres!

Finster sah um sich der Riese,
gleich umwölkte sich die Lysa,
in den Föhren schwieg die Amsel
und die Wolken sammelten sich.

»Was besorgst du früh am Morgen?
Bist der fremden Kerle einer,
welche grüne Jacken tragen,
Mädchen aus dem Walde scheuchen
und die fremde Sprache reden —
Teufelssaat in meinen Forsten!?« 

Bruder Andres, dir gehör ich
Teschen war auch meine Heimat,
stille Lieder sing ich gerne...
»Mag das Volk sonst nicht mehr singen?« 

Ausgestorben sind die Lieder;
unsern Mädchen stockt der Atem,
wenn sie BHcke jener treffen,
welche grüne Jacken tragen
und die fremde Sprache reden —
Teufelssaat in deinen Forsten!
Nur ein Lied ist uns geblieben,
dieses: 2ol, zol, zol mi hedie . . .
Schulen hat man uns genommen.
Berge hat man uns genommen
und das Weideland vernichtet . . .

»Nach dem Rechte ist's geschehen?« 

Nach dem Rechte, Bruder Andres!

»Und wer baut die fremden Schulen?« 

Die, die reich sind, Schächte haben.
In der Ortschaft spricht verstohlen
noch der Bergmann seine Sprache,
in dem Bergwerk spricht man anders,
dazu eben baut man Schulen . . .

»Nach dem Recht wird so verfahren?« 

Nach dem Recht wohl, Bruder Andres!
Gottes Wort auf unsre Weise
ist in Borowa noch immer
und in Janowitz zu hören,
doch es aufzuschreiben, hüten
mag sich wohl des Paters Feder . . .
Weißt du nicht, wer uns aus Friedek,
wer aus Breslau uns gebietet?

»Nach dem Recht wird so verfahren?« 

Nach dem Recht wohl, Bruder Andres!
Als sie uns in Friedek würgten,
haben viele ihre Sprache
abgeschworen, so wie jener —

»Mit Gewissen ist's geschehen?« 
Mit Gewissen, Bruder Andres!
Und ich weiß nicht, wie es zuging.
Lachen riß in sein Gebarte
sonderbar und unaufhaltsam
(Felsen warf es wider Felsen
und zurück von Fels zu Felsen),
so war Niobes Gelächter,
als ihr alle Söhne fielen
und dann alle Töchter fielen —
wie wenn hundert Wasserraben
lachen über unsern Teichen.
Und auch mich erfaßte Lachen.
Selbst die stille, ewig stumme
Lysa, welche hundert Jahre
der Bedrückung unten zusieht,
ist vor Lachen aufgeborsten,
ließ die aufgehobenen Tränen
ihres Volkes talwärts gleiten:
so lacht im Gebirg die Mutter,
wenn der Jung im Schacht verunglückt,
sieben Vöglein wollen Atzung,
längst verzehrt sind die Kartoffeln;
da erzählt sie, statt Kartoffeln,
ihrer Brut die Mär von Andres...



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