Hui, welch ein entsetzliches Phantom!
So sprechen die Räte der goldenen Hauptstadt,
so auch die Sprecher des Volkes im Reichsrat;
es schütteln die Köpfe die nationalen Damen,
so spricht wohl auch Rothschild und Gutmann, Graf Larisch und Wilczek
und der edle Marquis Géro —
da ich aus dem Haufen der Siebenzigtausend
empor mich gerungen. Schon traf mich die Peitsche!
Es starren die Öfen, mit Weißglut mich treffend,
schon faßt mich der Wind, meinen Blutmantel reffend,
hier auf der Schulter die deutsche Schule
und auf der andern der polnische Dom,
in der Rechten press' ich den riesigen Hammer
(ein Kohlenklotz schlug mir die Linke vom Leibe,
die Stichflamme biß mir das Aug' aus der Höhlung)
im Herzen siebzigtausendfachen Haß und Fluch.
Weiß Gott, entsetzlich bin ich!
Wie einer Leiche Stank wittert's vor mir her,
auf Händen, auf Füßen zerplatzt mir das Fleisch.
Dicht blitzen die Augen, wie Weißglut mich treffend,
mich faßte der Wind, meinen Blutmantel reffend,
fest in der Rechten des Bergmannes Hammer,
ein Kohlenklotz schlug mir die Linke vom Leibe,
die Stichflamme biß mir das Aug' aus der Höhlung —
Mörder aus Schlesien wimmelnd im Rücken
(wie wilde Ratten benagt's mein Genick),
Juden aus Polen an beiden Hüften —
So lacht doch, mein Gott, lacht doch! So seht mich recht,
mich, Petr Bezruč, mich, von Teschen, Bezruč,
den Barden vergangenen Volks.
Was treibt doch die Jugend bei euch mit der Fledermaus über den Toren?
Wie wußten die Römer doch Spartakus höchlichst zu ehren?!
So rag' einst auch ich — längst starb mein Volk dahin —
hundert Jahre die Stirne dem Himmel darbietend,
mit geschundenem Nacken die Bläue berührend,
ich, Petr Bezruč, Ahasver der Tschechen,
Gespensterbarde aus versunkener Zeit.