Nun stand Domitian im Land der Dacier.
Im Schoß der Berge ihn als Gott zu ehren,
ward ausgerufen, bei Gefahr des Lebens.
Und doch sah er einst drei, die sich nicht beugten.
Greis, Mann und Knabe hatten dunkle Haare,
wie Glockenblumen dunkelblaue Augen,
und waren sonngebräunt. — »Gebote Cäsars, wie,
befolgt ihr so?« — Wir beten, Herr zur Sonne.
»Ich bin auch Gott.« — Und da sie stumm verblieben,
las er in ihren Augen die Verachtung.
»Wes Stamms?« — Aus jenen sonnbeglänzten
schützenden Bergen sind wir — sieben tausend.
»Wohlan die drei, dann jene sieben tausend
steiniget mir, daß von den Steinen allen,
von allen Seelen nichts beisammen bleibe!«
In selbiger Nacht
trank Blut die Sonne ihrer sieben tausend Kinder,
da Cäsars Wille die Vollstreckung fand.
Zwei Jahre später
fuhr Cäsar auf der römischen Tiberbrücke.
Sein Basiliskenauge
erspäht' ein junges Weib mit dunklen Haaren,
dem, wie sich's auch verhüllt, die Augen glänzen,
so dunkelblau, wie Glockenblumen blühen.
»Du bist?« — Septimius' Weib, des Söldners.
»Vom Stamm der Dacier? Antwort!« — Herr, du sagst es.
»So schonte dich dein Mann?« — Das Schwert entsank ihm,
da ich zu seinen Knie'n, o Herr, ihn warnte:
Wer mich erschlägt, der fällt zugleich den Cäsar.
Prophetisch bin ich. — »O der kaisertreue . . .
Dein Schoß verwirrte ihn, dein blaues Auge,
dein dunkles Haar, die lügnerische Lippe.
Bindet sie beide, werft sie in die Tiefe!«
Als jetzt der Tiber hochging, blinkte etwas
mit blauem Glänze aus den gelben Fluten,
wie wenn im Herbst, vom Wurzelarm geborgen,
aus welken Blättern blaue Glocken leuchten;
das Schwert klang an, die Flut war wieder eben.
Und als am Abend
ihm vom FalernerWein die Stirne schwer ward,
murmelte Cäsar in den hohlen Becher:
Cäsar gefällt? So leb ich nur als Gott noch.
— — —
Nach fünfzehn Jahren
ging des Septimius Bruder, siech vor Alter,
am Tiber dort und sagte zum Soldaten:
Von dieser Brücke
warf Cäsar deine Mutter mit dem Vater,
nachdem er ihren Stamm hat ausgemordet.
In jener Nacht
fiel Cäsar durch die Hand des eigenen Postens,
wie's trockener Weise Tacitus berichtet.