Mein Oheim liebte den Vogelfang.
Drosseln trug er zu Markte.
Und kam der Mai, da half kein Verbot,
der Trieb in ihm erstarkte.
Er hob die struppigen Vögel aus,
da dicht schon die Federlein liegen,
die Männchen hüben zu singen an,
die Weibchen ließ wieder er fliegen.
Er alterte schon. Ich war unterwegs:
Wie geht das Gewerbe? Ich eile.
Sieh hier meine Beute zu allerletzt,
der bleibt mir für Alters Weile.
Nicht lange darauf besuchte ich ihn.
Der Vogel bei ihm in der Hütte
saß stumm und mürrisch. — So laßt es doch frei,
ein Weibchen ist es, ich bitte!
Du Allerweltsweiser, beim Schnabel, sieh,
den schwarzen, gewundenen Streifen —
Lehrst du mich, Alten, den Vogelfang?
Ein Männchen — das mußt du begreifen.
Nach Jahren erst hab' ich ihn wiedergesehn,
still saß er, mausgleich, bei Tische,
er blies aus der Pfeife den bläulichen Rauch,
der Vogel hockt zahm in der Nische,
grau und verstummt wie der alte Ohm,
düster, mit unwirschem Walten —
der Oheim kratzte sich hinter dem Ohr:
Ein Weibchen — recht hast du behalten.
Ihm nützte kein Wald mehr. Den Vogelkopf,
den feinen, streicheln die Hände:
Ein Weibchen, sei's, wenn auch ohne Gesang,
bleib du bei mir bis zu Ende.
So leben zu Ende die Dichter auch,
verklungen sind ihre Saiten,
Trauer als Ausgeding tragen sie mit
in all ihre einsamen Zeiten.