Der Berge Schatten lagen schon auf Schönfeld,
ins Erdreich griff der Pflug, die Pferde dampften,
von Hlubeks Sohn geführt. Von Bystrońs Zaune
(nicht der am »Ring« wohnt — bei den Weiden haust er —
gleich heilten sie, doch sind sie fremd einander)
sah jemand her. Und scharfer Augen hättest
du wohl bedurft, um da in Hansens Miene,
die immer hart blieb, irgendwie zu lesen . . .
Ist nicht ein holdes Ding des Bystroń Tochter?
Und jeden Abend, Weg sei's oder Umweg,
geht Hlubeks Sohn vorbei an Bystrońs Grunde;
zur Schwemme — denn der nächste Steig ist drüben —
zur Schenke auch — der Weg ist ausgetreten —
auch in den Wald ... Wie schön ist Bystrońs Tochter!
Die Lerche singt's, die Espe flüstert's leise,
im Roggen rauscht es, wenn der Wind dahlnstrelcht.
Das Pferd tritt fehl — ja, wohin denkst du, Junge!
Musik beim Wirten tönt, und Bystrońs Tochter,
wie kaum im Bach die Welle wallt vorüber
im Kreis dahin, und Hlubek lehnt im Schauen,
selbst tanzt er nicht; die Mädchen lachen alle.
So flieht die Zeit, daß nach drei Jahren eben
vom Militär des Bystroń Sohn vom »Ring« kam.
Und wenn die Pfeife lockt, da tanzt kein andrer
mit ihr als jener muntre, schlanke Bystroń.
»Und sag' dem Hlubek, daß er nicht mehr komme,
ich hätte zugesagt, und Vater gab den Segen.«
»Gib mir mein Teil!« Erst wollt's der Alte wehren,
sah tief und ernst in seines Sohnes Antlitz,
das unbewegt wie eines Toten blickte:
so wenig matter Untergrund der Flügel
des Falters ist vom Stamm zu unterscheiden,
so schwerlich war' in Hlubeks harter Miene
die Spur des Grams zu finden oder Leides.
Fünf gute Meilen Weges hoch im Lande
hängt arm ein Dorf. Dort kauft er eine Fiütte,
ringsum zehn Morgen reichlich steinigen Bodens,
wo durch die Felder geistert weißer Nebel
und die Zigeunerin im Eck des Forstes.
Sie faßt die Hand, forscht lang ihm in den Augen.
»Der dir im Wege steht — es wird die Flamme
nicht länger mehr als knapp acht Jahre flackern,
und alles fällt dir zu.«
Wie auf dem Stege,
wo endlos nackte Felsen steil sich drängen,
Pechnelke auflacht aus zernagtem Grunde
und wie ein Weib der graue Hang errötet,
so schoß die Röte in des Landmanns Wange.
Es blüht der Lenz, es qualmt der glühe Sommer,
es naht der schroffe Herbst, am Felde lebt der Hlubek,
strähnt seine Pferde; winters surrt die Drehbank,
und abend pflegt er einsam einzukehren.
Die Pfeife qualmt, der Branntwein glimmt im Glase,
das Leben bangt dahin ... Hoch wär's an Jahren,
der Zeiten, die einst waren, zu vergessen.
Zehn lange, bange und verstummte Jahre
waren dahin, da schien's dem Knechte Hlubeks,
daß seines Herrn Flamme strohern schwäle.
Die braune Wange wurde fahl und fahler,
der hohe Gang wich vorgeneigter Haltung,
spät stand er auf, und seine graue Pfeife,
die schale, ließ er ganz und gar erkalten . . .
Da Hlubek fühlte, daß sein Tag sich neige,
macht' er sich auf, nach Schönfeld aufzubrechen.
So geht er schweren Schrittes, wie der Ochse
ins Joch gespannt das nasse Erdreich ackert,
daß unter seinem schweren Huf die Erde
sich wellt und birst, als müßt' vom Weib getreten
ein Herz zerspringen ... (Hab' ich wahr gesprochen?)
Im Dämmer blinkt das Dorf. Wie Enoch Arden
steht er am Fenster, in die Stube schauend:
Die Kinder blühn, bei Tisch mit seinem Weibe
sitzt Bystroń da — Fort, Hlubek, geh' nach Hause!
So still war's innen; durch die Seele pilgert
das Bild einher, wie es ihn hergeleitet,
herzallerliebst ein Haupt von dunkler Tönung,
mit warmen Augen, die durch's Dunkel strahlen,
da um den Mann die große Nacht hereinbricht —
o stille, heilige, Sternenlose, milde,
o des Vergessens Nacht — sei du gesegnet!
So still ist's innen, noch die Uhr erkennt er:
»Zeit ist's, den Pferden Hafer vorzuschütten.«
Und auf die Uhr ließ er den Blick gerichtet.
Gingst du, sahst du, erkennst du Hlubeks Hügel?
Der Rasen stumm wie er, wie Leid verschwiegen,
und ungepflegt; wo nur ein elend Unkraut
vergessen blüht. So achtete auch jener,
der drunten liegt, auf niemand hier im Leben.
Und sag' doch, Hlubek, sag', was scheint dir leichter:
das Leben oder gar die schwarze Erde?