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Schlesische Lieder/Ich II

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Ich I Schlesische Lieder ~ Ich II
written by Petr Bezruč, translated by Rudolf Fuchs
Ich III




Ich

II



Da in der lohenden Sonne am Mittag
die nackenden Felsen Gluthauch ausstrahlen,
der Wildbach im eigenen Bette versickert,
die Häuer im Stollen den Hammer schwingen,
die Schmiede das glühende Eisen hämmern,
in Krasna, in Pražmo sich ihre Weiber
auf heißen Feldern bücken und mühen:
Ich, diesem stillen Volke entsprossen,
den an der Wiege die Not schon liebkost hat,
als nach den Händchen des Kindes sie haschte,
ich, aus der Art geschlagener Sohn,
aus Ostrau geflüchtet, aus Witkowitz, Baschka,
aus Friedland, aus Orlau, aus Dombrau, aus Lazy,
ergriff mein Gerät und warf's in die Grube,
ließ Mutter und Schwestern daheim auf dem Felde,
die Fiedel des Ahnen riß ich vom Nagel
und spielte darauf.

Einst taugt' sie vielleicht
zu froheren Weisen, von Jugend und Liebe.
Ich denk es nicht mehr. Zu lange schon ist es.
Drei Saiten zersprangen.
Den Priester aus Polen hab' jüngst ich vertrieben,
den deutschen Lehrer gestellt und geschlagen,
den Wald angezündet, den man mir geraubt hat,
gefräßige Hasen im Feld abgeschossen.
Man warf mich nach Teschen, da packt' mich der Wahnsinn,
den Eichkätzchen spielt' ich am Fuße der Lysa,
den Spatzen im Dickicht des Vogelbeerbaumes.
Von Ort zu Ort zog ich meiner Wege,
bei heißem und kaltem und greulichem Wetter.
Ich spielt' vor den Zäunen und unter den Fenstern,
mir bebt' an der Fiedel die einzige Saite
von dem schweren Atem der siebzig Tausend,
die bei Oderberg, an der Lysa erloschen,
in den uns entrissenen Kieferwäldern,
in den Beskiden allmählich erlöschen,
in Poremba und in Leuten erloschen,
in Dittmannsdorf und in Dattin erlöschen,
in Schumbarg erloschen, in Dombrau erlöschen.
Zelte abbrechen! Die Feuer ersticken!
Bewegung kam in die siebzig Tausend,
erst an der Olsa hielt wieder das Lager,
weit von der Lucina sind wir gewichen,
ziehen bald über die Ostrawitza
nach Mähren hinüber, ein schweigender Bann.

Vor ihnen treibt sich, wie David einst tanzte,
ein Rassler wirrselig beim Schalle der Pfeifen,
der lachhafte Barde der siebzig Tausend,
der Don Quijote aus den Beskiden,
er hat einen Spieß von grünem Wachholder,
die Rüstung aus Moos und den Fielm lauter Zapfen,
sein Schild ist ein Pilz, sein Visier bilden Farne,
so hofft er, das Schicksal beim Arme zu packen,
den goldenen Ritter beim schwarzen Schwert.

Ich, Petr Bezruč, ich von Teschen, Bezruč,
Landstreicher, irrsinnig, Dudelsackpfeifer,
toller Rebell und betrunkener Singer,
kündender Kauz auf dem Turm von Teschen,
ich singe und spiele, indessen die Hämmer
in Witkowitz, Friedland und Lipina dröhnen,
Fremdlinge seh ich vorüber schreiten
(Petr Bezruč, wie hältst du sie wert!),
die Männer mit klangvollen, großen Namen,
strotzend wie Götter und stolz wie die Sterne
(Petr Bezruč, wer preßte dein Dorf?),
ich seh ihre Frauen in Atlas und Seide,
sehe die Männer, hochtrabend und mächtig,
die an der goldenen Donau gebieten,
seh auch die Dichter vom Moldaugelände,
die in der Liebe Paris hat erzogen.
Verzweifelt bebt meine einzige Saite
und schwingt mit dem Atem der siebzig Tausend,
da Steinen ich singe und Blöcken aufspiele,
aufspiele und singe — Nun, wird's mit der Münze?



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