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Schlesische Lieder/Idylle in der Mühle

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Palacký-Feier Schlesische Lieder ~ Idylle in der Mühle
written by Petr Bezruč, translated by Rudolf Fuchs
Bei Mohelnitz




Idylle in der Mühle



In den Beskiden verlor ich den Pfad,
Waldhang und Abendkühle,
hell brannte der Westen in goldenem Glanz,
da hielt ich bei einer Mühle.

Am Ufer des Baches stolzierten Pfau'n
und watschelt' der Entlein Gewimmel.
Ein hübscher Junge mit dunklem Haar,
ein Mädchen, licht wie der Himmel,

hielten die Mutter beim Rock gepackt;
es war wie Blüte und Reife,
ein Lächeln träumt' um den Mund der Frau,
der Müller rauchte die Pfeife.

Bald war ich im Haus ein willkommener Gast,
der Branntwein grüßte mich herbe —
in schwärzlicher Stube am Nagel hing
die Flinte, ein Großvätererbe.

Der Branntwein hatte so scharfen Wind,
der hat mich ins Frohe gesteuert:
Ob Ihr doch, Müller, aus diesem Gewehr
schon selbst einen Schuß habt gefeuert?

Lähmendes Schweigen. Wie könnt, was ich fragt,
so seltsames Mißtrauen wecken,
daß des Mannes Gesicht weiß wurde wie Kalk
und daß von unendlichem Schrecken

das Antlitz der Frau zur Grimasse erstarrt'?
Sie gaben mir stumm das Geleite:
Die Ostrawitza wanderte mit,
dem Kameraden zur Seite.

Ein alter Mann aus der Gegend stapft'
mit mir nach dem gleichen Ziele,
im Scheine der Sterne ruht' Friedek vor uns,
ich erzählt' von dem Glück in der Mühle.

»Alt bin ich, Herr, und arm und lahm,
doch wollt' ich, bei Gott, nicht tragen
auf meinem Gewissen ihr Gehöft,
ihre Kinder, ihr Wohlbehagen.

Der alte Müller hatt' neu gefreit
die junge, die wunderbare,
liebliche Maritschka Halfarová,
er führte sie heim vom Altare.

Es zogen zwei Monate übers Land,
man weiß nicht, wie sie dort lebten —
doch eines Morgens — lag er im Wald,
seine blutigen Haare klebten.

In Kurzem war der Geselle ihr Mann;
doch, daß sie mit Blut ihre Seelen — — —« 
Ich fiel ihm mit barscher Rede ins Wort:
»wie alte Weiber erzählen!« 

Ich wich in die einsame Nacht von ihm ab,
nur spärlich vom Monde beschienen,
doch das Grau'n schritt mit mir aus des Mannes Blick,
aus des Weibes geängsteten Mienen.



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