Sahst du schon geschlagne Heere
scharenweis' die Stellung räumen?
Mitternächtlich bange Feuer
schimmern fern wie Phosphorhände,
falten sich zu stillem Flehen,
irre Lichter auf dem Moore,
Grubenlampen in den Schächten.
Gott, wann ist das nur gewesen,
daß ich's heute kaum noch fasse:
Unterhalb der Lysa stand ich,
nächtlich frierend auf dem Posten,
richtete den Blick nach Teschen,
fühlte da aus den Beskiden
einen Blick auf unsern Feuern,
übermächtig, voller Tücke:
weichen sie, erlöschen sie bald?
Ich entsann mich, dort in Mähren
weißes stürzt in schwarzes Wasser.
Kaum zwei Stunden weiter südlich
ist ein Städtchen still gelegen.
Nehmt von ferne meine Hände,
ihr, von gleicher Faust geschlagen,
wie auch wir in den Beskiden.
Gott, wo immer ich gegangen,
einen Haß fühlt' ich im Herzen,
einen Abscheu in der Seele:
Stammtest du aus meiner Heimat,
du verstündest mich, und hassen
müßtest du für's ganze Leben...
In die Ferne ausgezogen
bin ich und verlor die Fahne,
wie vor mir viel tausend andre.
Lieder sing ich jetzt, Gesänge,
es wehklagt in meiner Seele:
Warum wichst du von der Fahne?
Jahre später kam ich wieder;
still zur Nacht, wie'n schlechter Kerl,
unterhalb der Lysa stand ich.
Wo sind unsre Lagerfeuer?
Weithin blick' ich, dort im Westen,
dort in Dobratitz, im Westen
blitzen sie in langer Nachtzeit,
irre Lichter auf dem Moore,
Grubenlampen in den Schächten,
schüchterne und bange Feuer,
schimmernd fern wie Phosphorhände.
Leben wir in Dobratitz noch?