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Schlesische Lieder/Maritschka Magdonova

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Toschonowitz Schlesische Lieder ~ Maritschka Magdonova
written by Petr Bezruč, translated by Rudolf Fuchs
Bernard Žár




Maritschka Magdonova



Ging Vater Magdon von Ostrau nach Hause,
in Bartelsdorf hatte er Streit in der Schenke,
mit klaffendem Schädel empfing ihn die Nacht.
Es weinte Maritschka Magdonova.

Ein Wagen voll Kohle brach auf dem Geleise.
Die Witwe des Magdon verhauchte darunter.
Es schluchzen in Hammer verlassen fünf Waisen,
die älteste Maritschka Magdonova.

Wer soll sie beschützen, wer soll sie ernähren?
Vater willst du sein und Mutter du ihnen?
Glaubst du, wer Gruben hat, der hab' ein Herz auch
deinem gleich, Maritschka Magdonova?!

Unendlich dehnt sich der Wald Marquis Géros.
Sein Reich ist die Kohle, die Grabwelt der Eltern.
Da darf doch die Waise sich Holz in die Schürze —
Was sprichst du, Maritschka Magdonova?

Es friert, Maritschka; nichts gibt es zu essen...
Es tragen die Berge die Fülle des Holzes...
Soll Vorsteher Marchfelder, der dich betreten,
Mund halten, Maritschka Magdonova?

Welch einen Bräutigam hast du gefunden?
Den Helm bcbuscht und die Schulter gewaflfnet,
die Miene starr, und du folgst ihm nach Friedek,
folgst du ihm, Maritschka Magdonova?

Bist eine Braut du und gehst so beklommen,
bittere, feurige Tropfen benetzen
heiß deine Wangen und rieseln ins Schnupftuch,
was ist dir, Maritschka Magdonova?

Friedeker Großbürger, Damen aus Friedek
werden dich höhnen, es wird dich erblicken
Marchfelder drinnen, der Jude, am Fenster.
Wie ist dir, Maritschka Magdonova?

In eiskalter Hütte die Vögelchen blieben,
wer soll sie beschützen, wer wird sie ernähren?
Der Reiche gewiß nicht. Was sang dir im Herzen
unterwegs, Maritschka Magdonova?

Steil sind am Rand die zerklüfteten Felsen,
wo gegen Friedek schäumend sich wendet
die wilde, die brausende Ostrawitza.
Hörst du, verstehst du sie, Kind des Gebirgs?

Ein Sprung... halt! nach links, vorüber, vorüber.
Es hatten im Fels sich die Haare verfangen,
die weißen Hände mit Blut übergössen.
Gehab dich wohl, Maritschka Magdonova!

Zu Hammer am Friedhof, hart an der Mauer,
schmucklos, verwildert, wellen sich Gräber.
Hier ruhn, die verzweifelnd Hand an sich legten.
Hier schlummert Maritschka Magdonova.



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