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Schlesische Lieder/Nur einmal

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So auch ich Schlesische Lieder ~ Nur einmal
written by Petr Bezruč, translated by Rudolf Fuchs
Andres




Nur einmal



Ich weiß nicht, wann und wo
ich einmal eine Sage hört' erzählen:
Im hohen Norden lag
ein trübes Tal, von Bergen schroff umschlossen,
ein traurig Dämmertal,
das nie der Strahl der Sonne noch berührt hat.
Dort lebt' ein düstres Volk
in ewigem Schnee, in rauchgeschwärzten Kuppen.
Am Feuer saßen Männer
— ein Wort wog schwerer da als Klumpen Goldes -
die Weiber bang dahinten,
und in die Felle duckten sich die Kinder.

Wer weiß, wie dies geschah,
vielleicht geriet die Erde aus den Fugen,
doch eines Morgens flammt' die Sonne auf:
das ganze Volk, vom Glänze jäh geblendet,
floh in die schwarzen Kuppen
und einen Block zum Eingang wälzte jeder
und stürzte mit derWang' zur Erde nieder,
zum Dämon, der im Unbekannten haust,
Gebete sendend . . .
während draußen
der ewige Schnee zum erstenmal dahinschmolz,
die unberührte Flur
dem Kuß des Lichts mit Veilchenblüten dankte. —
Der Sonnengott,
von toter Still begrüßt und Angstgebeten,
eilt übers Tal hinweg
und niemals mehr sah er nach jenen hüben.

Und als die Angst verwich,
als aus dem Dämmer sich die Menschen lösten,
die feuchte Erde sahn,
der unbekannten Veilchen Duft einsogen
und fühlten, daß ein guter Gott,
von ihnen schwer beleidigt, hier gewesen,
der, wie sie's in der Seele wußten, nie
und nimmermehr zu ihnen wiederfände,
befiel ein Schmerz sie, schwerer als das Leben,
und zog der düstern Männer Häupter tiefer
und tiefer noch den Nacken banger Frauen,
daß sie fortan die Trauer doppelt trugen,
denn sie empfanden, daß unwiederbringlich
das Licht dahin war, das die Erde rührte,
dahin durch ihre Schuld,
Licht, das nie wiederkehrt!


Einmal, nur einmal streifte mich die Liebe.
Das schwarze Haar reicht' ihr tief bis zum Gürtel,
mit süßer Stimme red'te sie zu mir:
Ihr habt ein gutes Herz
und jedes Weib wird mit Euch glücklich werden.
Ein flüchtig scheuer Blick,
der mehr verriet, als selbst die süßen Worte,
die sie mit süßem Schalle sprach,
wie man bei uns daheim in Teschen spricht,
begleitet' ihr Gespräch. —
Und ich, der ich schon ausgetrunken hab'
bis auf die bittre Hefe meinen Becher,
aus meinem Buch getilgt die weißen Seiten,
ich sprach mit rauher Kehle,
wie dort sie sprechen, die geschwärzten Männer,
tief unter Ostraus Hängen:
Ohn' Ende, Fräulein, wird das Glück dem werden,
der Euer Mann wird sein —
Die Rose, glaubt, taugt nicht zum welken Stamm!

Ich liebte sie. Und sie hat sich vermählt.
Mein Herd ward kalt, mein Herz liegt voller Schatten
und grenzenlose Trauer quält mich oft,
wenn's mich gemahnt,
daß süßen Schritts die Liebe mir genaht war
und ich die Türe meiner Hütte zuwarf,
und daß sie nie mehr wiederkehrt!



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