Ich sah des Volkes hohen Feiertag.
(in meiner Heimat ist es still und düster.)
In Böhmens Mutterstadt befand ich mich,
sah einen Mann mit goldner Kette stehn,
vor dem im Zug die Banner sich verneigten —
(da vor dem Juden und dem Herrschaftsheger
sich unser Ortsvorsteher tief verbeugt,
für Bergarbeiterkinder Brot erflehend) —
ich sah die Mäste hoch zum Himmel ragen
und Fahnen feierlich im Winde wehn,
mit Samt und Reisig ausgeschmückt die Stadt;
und tausendfältiger Jubel brandete.
(Wie wird mir da? Ich höre Waisen schluchzen,
da Wasser plötzlich in die Schächte einbricht,
da in der Schenke Messerblitze zucken)
auch Jungfrau'n sah ich weißgewandet ziehn —
(bei uns bestehn sie nicht vor dem Verwalter,
dem Juden oder Förster — leben muß man).
Im Meere der Begeisterung stand ich stumm.
Da wallte mir inmitten all des Schönen
mein schweigendes Beskidendorf vorüber,
wo ich als Knabe lebt' und sehend ward:
dort hab' ich's miterlebt, wie sie uns würgten,
die Rothschild und die Gutmann, Larisch, Wilczek
— und der edle Marquis Géro —
so zog an mir der Heimatort vorüber
und ausgejätet war dort unsre Art,
die Schule deutsch und unsre Kirche polnisch —
Drum bin ich stumm geblieben bei dem Feste,
der letzte Tscheche noch aus jenem Dorf,
wo sie mein Volk erstickten und erschlugen,
die Rothschild und die Gutmann, Larisch, Wilczek
— und der edle Marquis Géro —
Freut euch und feiert, erhebt eure Herzen,
denn euch war ein Mann, ein Erwecker erstanden.
Doch oben im Norden, in den Beskiden,
mein tschechisches Dörflein hat ausgelitten.